Unsere Verkehrsforschung

Einen wichtigen Teil der Tätigkeit unseres Instituts bestimmt der Arbeitszweig der Verkehrsforschung. Wir sind der Ansicht, dass gerade auch im Bereich der Verkehrssicherheit ein statisches Verharren auf zementierten Positionen der Tod jeder das Gesamtsystem verbessernden Innovation ist. Innovation aber schafft, so sie nicht als bloßer Begriff gebraucht wird, positive Bewegung, die in konstruktiven Bahnen zu wirklichen Verbesserungen in einzelnen Bereichen der Verkehrssicherheit und damit auch im gesamten System führen kann. Innovation aber erfordert aus unserer Sicht zwingend die Bereitschaft, systemkritisch zu denken und Bewährtes konstruktiv in Frage zu stellen. Dazu gehört auch eine gehörige Portion Selbstkritik, die wir bei uns selbst ebenso an den Tag legen wie wir sie auch bei Verkehrspraktikern und Verkehrspolitikern gerne sehen würden.

Abgeschlossene Forschungsprojekte

Ausdehnung der Kostentragungspflicht des § 25a StVG auf den fließenden Verkehr (2011 - 2014)

Prof. Müller erhielt von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) den Auftrag, deutschlandweit bei den Länderpolizeien, Zentralen Bußgeldbehörden und Kommunalen Bußgeldbehörden zu untersuchen, wie viele Bußgeldverfahren eingestellt werden, weil der Fahrzeugführer nicht rechtzeitig vor Ablauf der Verjährungsfrist ermittelt werden konnte.

 

Die Ergebnisse der nicht repräsentativen Studie wurden im Februar 2015 in der BASt-Reihe "Mensch und Sicherheit" als Band M 250 publiziert. Die Studie kann aus dem elba-Archiv der BASt oder über den folgenden Link kostenlos als pdf heruntergeladen werden.

Download BASt M 250

Optimierung der praktischen Fahrschulausbildung (2010 - 2011)

In den Jahren 2010 und 2011 erhielt das IVV Bautzen einen Forschungsauftrag der Unfallforschung der Deutschen Versicherer (UDV), um mittels einer Literaturstudie, einer Analyse der relevanten Rechtsvorschriften sowie einer Befragung von Fahrlehrern auszuloten, unter welchen Bedingungen die Rechtsgrundlagen der praktischen Fahrschulausbildung reformiert werden können.

Risiken der Bereitstellung von Verkehrsdaten durch die Öffentliche Hand (2007 - 2009)

Im Jahr 2007 wurde das IVV Bautzen von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) im Forschungsprojekt FE 82.333/2007 damit beauftragt, das Forschungsprojekt "Juristische Fragen der Bereitstellung von Daten für sicherheitsrelevante, kartenbasierte Fahrerassistenzsysteme durch die öffentliche Hand" zu bearbeiten.

 

In der Sache ging es darum, mögliche juristische Risiken für die öffentliche Hand herauszuarbeiten und mögliche Modelle von deren Minimierung vorzuschlagen.

 

Das IVV Bautzen wurde bei diesem Forschungsprojekt durch Herrn Dipl.-jur. Uwe Gogolin (Görlitz) tatkräftig unterstützt. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse konnte aktuell in der Zeitschrift "Deutsches Autorecht" (DAR) 2016, Heft Februar, publiziert werden.

Erkennen drogenbeeinflusster Fahrzeugführer (2004 - 2006)

In den Jahren 2004 bis 2006 unterstützte das IVV Bautzen ein über einen Untersuchungszeitraum von zwei Jahren angelegtes Forschungsprojekt zur Verbesserung der polizeilichen und verkehrspsychologischen Drogenerkennung. Projektpartner waren die damalige Fachhochschule für Polizei Sachsen (heute: Hochschule der Sächsischen Polizei (FH) und die damalige DEKRA Automobil GmbH, speziell deren Fachbereich Verkehrspsychologie unter der Leitung von Prof. Dr. rer. nat. Wolfgang Schubert.

Anwendungsstudie Verkehrsunterricht (2000 - 2007)

Der Verkehrsunterricht nach § 48 StVO und der erzieherische Verkehrsunterricht als neue ambulante Maßnahme nach § 10 JGG sind zwei pädagogische Formen der Einwirkung auf Verkehrsdelinquenten in einer etwas milderen Form als die Maßnahme des Fahreignungsseminars nach StVG.

 

Das IVV Bautzen untersuchte in den Jahren 2000 und 2001 zunächst den Stellenwert und die Anwendung des Verkehrsunterrichts in der Fachtheorie. In den beiden Folgejahren unternahm Prof. Müller eine bundesweite Anwendungsstudie, um die praktische Anwendung des Instruments zu erkunden. Die Ergebnisse wurden einer breiten Öffentlichkeit in der Zeitschrift für Verkehrssicherheit (ZVS) und in der Zeitschrift "Verkehrsdienst" (VD) vorgestellt.

 

In den Jahren 2005 bis 2007 ergab sich auf dieser Grundlage ein intensiver Kontakt zum Landesjugendamt des Freistaates Sachsen, in dessen Verlauf zwei Qualifizierungsseminare für Freie Träger durchgeführt wurden, um die gewonnenen Forschungsergebnisse auf den Verkehrsunterricht nach § 10 JGG zu übertragen. Zudem konnte nun auch ein Leitfaden als schriftliche Arbeitshilfe angeboten werden, der seither im kostenlosen Download zur Verfügung steht.

 

Inzwischen findet sowohl der Verkehrsunterricht nach § 48 StVO, als auch der Verkehrsunterricht nach § 10 JGG in Deutschland nur noch in sehr rudimentärem Umfang statt, weil die Kommunen und die Verkehrspolitik die großen Chancen dieser niederschwelligen verkehrspädagogischen Maßnahmen für eine Verbesserung der Verkehrssicherheit noch immer nicht erkannt haben.

Positionspapier des Arbeitskreises zum Verkehrsunterricht nach § 10 JGG
Landesjugendamt Positionspapier Verkehrs[...]
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Verkehrssicherheit bei Einsatzfahrten (2000 - 2004)

Unser erstes Forschungsprojekt "Verkehrssicherheit bei Einsatzfahrten" wurde im Jahr 2000 auf den Weg gebracht. Beginnend im Polizeibereich wurde es  später auf die Bereiche Feuerwehr, Rettungsdienst und THW ausgedehnt. 

 

Als Hauptzielrichtung dieses Projektes sollte das Einsatzpersonal der angesprochenen Organisationen in einem ersten Schritt für die Sicherheitsprobleme und Unfallrisiken rund um Einsatzfahrten sensibilisiert werden. In einem zweiten Schritt sollten die in einem unterschiedlichen Ausmaß vorhandenen individuellen Kenntnisse über die komplexen Rechtsgrundlagen vertieft und reflektiert werden.

 

Die verschiedenen Ergebnisse des Forschungsprojektes wurden jeweils in verschiedenen Verlagen und Fachzeitschriften publiziert.

Ein besonderer Höhepunkt des Forschungsprojekts war eine Teiluntersuchung mittels einer Befragung von 85 Notärzten, die im Rahmen zweier von Prof. Dr. med. em. Peter Sefrin (Klinikum der Universität Würzburg) geleiteten Kongresse in den Jahren 2003 und 2004 Rede und Antwort zu den von ihnen selbst erlebten Unfallrisiken bei Einsatzfahrten standen.

 

Das IVV Bautzen bedankt sich recht herzlich bei Herrn Prof. Sefrin für diese neue Form der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Verkehrswissenschaft und Notfallmedizin.

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